Angebotserstellung im Maschinenbau automatisieren: vom Lastenheft zum Angebotsentwurf in Stunden

Angebotserstellung im Maschinenbau automatisieren: Wie KI aus Lastenheft oder Ausschreibung in Stunden einen belegten Angebotsentwurf macht.

Angebotserstellung im Maschinenbau automatisieren: vom Lastenheft zum Angebotsentwurf in Stunden

Das Wichtigste in Kürze

Im Maschinenbau ist ein Angebot eine technische Lösung mit Preis. Automatisieren lässt sich vor allem die Arbeit, die vor der Preisentscheidung liegt, und genau die kostet heute die meiste Zeit.

  • 70 bis 80 % der Antworten auf ein Lastenheft stehen bereits in früheren Angeboten. Vertrieb und Anwendungstechnik suchen sie trotzdem oft tagelang zusammen.
  • KI liest Lastenheft, Ausschreibung oder E-Mail, schlägt ein baubares Produkt vor und erstellt daraus einen vollständigen Angebotsentwurf in der Vorlage des Hauses, mit Quelle je Aussage.
  • Sonderanfragen werden geprüft, bevor sie in der Konstruktion landen: Passt ein Standardprodukt, wurde es schon einmal gebaut, oder ist es wirklich neu?
  • Preisentscheidung, Konditionen und Kundenbeziehung bleiben beim Vertrieb. Die KI bereitet vor, der Mensch entscheidet und gibt frei.
  • Ein bestehendes CPQ wird nicht ersetzt, sondern mit einem validen Startpunkt befüllt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Angebote im Maschinenbau so viel Zeit kosten
  2. Welche Schritte der Angebotserstellung sich automatisieren lassen
  3. Sonderanfragen: erst prüfen, dann konstruieren
  4. Was beim Menschen bleibt
  5. Angebotserstellung heute vs. mit KI
  6. Auch für Bid- und Angebotsmanagement
  7. Keine RFQ-Automatisierung wie beim Distributor
  8. Aus der Praxis
  9. FAQ

Warum Angebote im Maschinenbau so viel Zeit kosten

Ein Angebot für eine Maschine oder Anlage ist kein Katalogauszug. Es beschreibt eine technische Lösung für einen konkreten Bedarf, und diese Lösung muss baubar, belegbar und richtig bepreist sein. Wie sich Angebotserstellung, Konfiguration und CPQ zu einem Ablauf verbinden, erklärt der Leitfaden zu CPQ mit KI.

Ob Ausschreibung oder 50-seitiges Lastenheft: Der größte Teil der Antworten existiert längst, verstreut in alten Angeboten, Datenblättern und Spezifikationen. Der Aufwand entsteht an drei Stellen:

  • Die Anfrage ist unvollständig. Kunden beschreiben ihren Bedarf, nicht ihre Konfiguration. Werte fehlen, Normen sind nicht genannt, Rahmenbedingungen stehen zwischen den Zeilen.
  • Das Wissen ist verstreut. Datenblätter, Optionslisten, Preislisten und frühere Angebote liegen in verschiedenen Systemen, oft in verschiedenen Versionen.
  • Die Erfahrung ist knapp. Welche Konfiguration sich in ähnlichen Fällen bewährt hat, wissen wenige Köpfe in Anwendungstechnik und Projektierung. Jede Rückfrage an sie verlängert die Durchlaufzeit.

Das ist kein Randthema. Vertriebsmitarbeitende verkaufen ohnehin nur rund 28–30 % ihrer Zeit, und rund 31 % (etwa zwölf Stunden pro Woche) gehen allein für das Finden und Erstellen von Inhalten drauf. Bis das eigene Angebot steht, hat der Wettbewerb oft schon geliefert.

Welche Schritte der Angebotserstellung sich automatisieren lassen

Ein Angebot mit KI zu schreiben heißt nicht, einen Text generieren zu lassen. Es heißt, die vorbereitenden Schritte zu automatisieren, die heute die meiste Zeit kosten:

  1. Anfrage auswerten. Lastenheft, Ausschreibung, E-Mail oder Gesprächsnotiz werden gelesen und die Anforderungen strukturiert, auch bei kundenindividuellen Abkürzungen und Fachbegriffen. Fehlende Angaben werden als Rückfrage formuliert.
  2. Produkt und Konfiguration vorschlagen. Die Anforderungen werden gegen Datenblätter, Optionsdaten und Gültigkeitsregeln geprüft. Heraus kommt ein baubarer Vorschlag mit Begründung.
  3. Bewährte Inhalte übernehmen. Aus gewonnenen Angeboten für ähnliche Fälle werden Beschreibungen, technische Erläuterungen, Argumente und Referenzen übernommen und angepasst.
  4. Angebotsentwurf erstellen. Alles fließt in einen Entwurf in der Vorlage des Hauses, mit Preisen aus den Preislisten. Jede technische Aussage verweist auf ihre Quelle.
  5. Gegen Lastenheft und Vertrag prüfen. Vor der Freigabe wird der Entwurf gegen Lastenheft, Vertragsbedingungen und Werksnormen gelegt. Die Experten prüfen eine Handvoll Befunde statt Hunderter Seiten: eine Vertragsstrafe, die nicht eingepreist ist, eine Werksnorm, die nicht erfüllt wird, eine Abnahmeprüfung, die im Leistungsumfang fehlt, ein Preis unter vergleichbaren Projekten.

Weil zuerst das richtige Produkt gefunden und erst dann das Angebot gebaut wird, ist der Entwurf nicht nur schnell, sondern fachlich tragfähig. In Genow läuft das in einem Chat: Welcher Spezialist die Anfrage übernimmt, entscheidet der Workspace, niemand muss zwischen Werkzeugen wechseln. Mehr zur KI-gestützten Angebotserstellung lesen Sie auf der zugehörigen Seite.

Sonderanfragen: erst prüfen, dann konstruieren

Im Maschinenbau kostet kaum etwas so viel Zeit wie die Sonderanfrage. Sie landet in der Konstruktion, die bei null beginnt, und bis zum Angebot vergehen Wochen. Dabei wurde oft etwas sehr Ähnliches längst gebaut, nur für einen anderen Kunden und in einem Archiv, das niemand durchsucht.

Ein Beispiel: Angefragt wird ein Gehäuse aus Edelstahl in IP67, Flansch DN 80, PN 16, für Temperaturen bis 180 °C. Vor einigen Jahren wurde für einen anderen Kunden fast dasselbe gebaut, ausgelegt sogar bis 200 °C. Zeichnung, Stückliste und Preis existieren, niemand findet sie.

Deshalb wird jede Sonderanfrage geprüft, bevor sie in der Konstruktion ankommt. Es gibt drei mögliche Ergebnisse:

  • Ein Standardprodukt passt. Das Angebot entsteht direkt aus Katalog oder Baukasten.
  • Es wurde schon einmal gebaut. Zeichnung, Stückliste, Preis und Erfahrungen aus dem früheren Auftrag liegen bereit und werden angepasst.
  • Es ist wirklich neu. Dann geht die Anfrage an die Konstruktion, mit einem vollständigen Briefing statt einer weitergeleiteten E-Mail.

Schaubild: Eine neue Sonderanfrage (Gehäuse Edelstahl IP67, Flansch DN 80 PN 16, bis 180 °C) wird von Genow geprüft. Drei mögliche Ergebnisse: Ein Standardprodukt passt, das Angebot kommt aus dem Baukasten; es wurde 2019 schon gebaut, Zeichnung, Stückliste und Preis liegen vor; oder es ist wirklich neu und geht mit Briefing an die Konstruktion.

So erreicht die Konstruktion nur noch die Arbeit, die wirklich neu ist.

Was beim Menschen bleibt

Automatisierte Angebotserstellung ersetzt den Vertrieb nicht. Sie verschiebt seine Arbeit vom Suchen zum Entscheiden.

  • Preis und Konditionen. Vorkalkulation, Rabatte, Zahlungsbedingungen und strategische Preise sind Entscheidungen, keine Recherche. Sie bleiben beim Vertrieb oder laufen über die Regeln im CPQ.
  • Die Kundenbeziehung. Welche Lösung dieser Kunde gerade braucht, was im letzten Gespräch gesagt wurde und worauf es ihm ankommt, bringt der Mensch ein.
  • Die Freigabe. Ein Angebot ist verbindlich. Die KI liefert einen Entwurf, der Vertrieb prüft und gibt frei.

Angebotserstellung heute vs. mit KI

SchrittHeuteMit KI
Lastenheft erfassenVon Hand durchgehenAutomatisch strukturiert, Lücken als Rückfrage
Antworten findenTage in Altangeboten suchenAus Angebotshistorie und Produktwissen abgeglichen
Produkt wählenAus Erfahrung, oft das BekannteBaubar, begründet, gegen Regeln geprüft
SonderanfrageDirekt in die Konstruktion, die bei null beginntErst geprüft: Standard, schon gebaut oder wirklich neu
AngebotsentwurfBei null in der Vorlage beginnenVollständig in der Vorlage des Hauses, mit Quellen
PrüfungStichprobe vor dem VersandJede Anforderung und jede Vertragsklausel abgeglichen
Rolle des VertriebsSuchen und zusammensetzenPrüfen, entscheiden, freigeben

Auch für Bid- und Angebotsmanagement

Dasselbe Prinzip hilft den Teams, die Angebote und Ausschreibungsantworten hauptberuflich schreiben. Mit der Historie früherer Angebote verbunden, entsteht der Entwurf gemeinsam mit der Autorin oder dem Autor und wird Schritt für Schritt verfeinert, statt jedes Mal mit einem leeren Blatt zu beginnen. So wird wiederverwendet, was schon einmal gewonnen hat. Wie die Beantwortung umfangreicher Ausschreibungen im Detail funktioniert, beschreibt der Beitrag RFP-Antwort schreiben.

Keine RFQ-Automatisierung wie beim Distributor

Wichtig ist die Abgrenzung: Das ist keine RFQ-Automatisierung, wie sie Distributoren nutzen. Solche Werkzeuge lesen fertige Teilelisten aus und bepreisen sie ins ERP. Hersteller konfigurierbarer Produkte müssen das richtige Produkt dagegen erst aus dem eigenen Portfolio bestimmen. Der Unterschied liegt in der Aufgabe, nicht im Dokumentformat.

Aus der Praxis

Die KION Group, zu der Marken wie Linde und STILL gehören, setzt Genow mit mehr als 2.000 aktiven Nutzern weltweit ein. Konfiguration und Angebotsvorbereitung laufen doppelt so schnell wie zuvor. Der Grund: Antworten auf technische Fragen stehen in Sekunden bereit, jede mit der Quelle, aus der sie stammt. Die ganze Geschichte lesen Sie in der Fallstudie zu KION.

FAQ

Kann man ein Angebot komplett mit KI schreiben?

Den Entwurf ja, die Entscheidung nein. Die KI erstellt einen vollständigen Angebotsentwurf aus Anfrage, Produktwissen und früheren Angeboten. Preis, Konditionen und Freigabe bleiben beim Vertrieb.

Was ist ein Angebotsentwurf mit KI?

Ein vollständiges Angebot in der Vorlage des Hauses, das jede Anforderung des Kunden adressiert und zu jeder technischen Aussage die Quelle nennt. Der Vertrieb überarbeitet ihn, statt bei null anzufangen.

Wie schnell entsteht ein Angebotsentwurf aus einem Lastenheft?

In Stunden statt Tagen, weil 70 bis 80 % der Antworten bereits in früheren Angeboten stehen und automatisch abgeglichen werden. Das gilt auch für formale, mehrseitige Lastenhefte.

Was passiert mit Sonderanfragen?

Sie werden geprüft, bevor sie in der Konstruktion landen: Passt ein Standardprodukt aus Katalog oder Baukasten, wurde Ähnliches schon gebaut, oder ist die Anfrage wirklich neu? Nur im letzten Fall geht sie an die Konstruktion, dann mit vollständigem Briefing.

Brauchen wir dafür ein CPQ-System?

Nein. Die KI arbeitet direkt auf Datenblättern, Optionsdaten, Preislisten und Altangeboten. Ist ein CPQ vorhanden, wird es mit einem validen Startpunkt befüllt.

Wie verhindert man falsche technische Angaben im Angebot?

Durch Quellenpflicht. Jede Aussage im Entwurf verweist auf ein Dokument im Unternehmen. Was sich nicht belegen lässt, wird als offen markiert und nicht erfunden.

Ist das eine RFQ-Automatisierung wie bei Distributoren?

Nein. Distributor-Werkzeuge bepreisen fertige Teilelisten. Hier wird die Anforderung interpretiert und das richtige, baubare Produkt aus dem eigenen Portfolio bestimmt.

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